Lorraine O’Grady in Wolfsburg

Städtische Galerie Wolfsburg 15.12.2018 – 28.04.2019

Lorraine O’Grady
Art Is. . . (Cop Eyeing Young Man), 1983/2009, © Lorraine O’Grady/Artists Rights Society (ARS), New York 2018

Sie ist bereits 84 Jahre alt, gehört aber zu den spannendsten Künstlerinnen unserer Zeit. Und das vielleicht gerade deshalb, weil ihre Karriere alles andere als geradlinig verlief. Die Rede ist von der 1934 in Boston geborenen, heute in New York  lebenden Konzeptkünstlerin Lorraine O’Grady. Ihre Eltern wanderten aus Jamaika in die Vereinigten Staaten ein. Sie genoss eine Eliteausbildung, arbeitete fünf Jahre als Geheimdienstanalystin, jobbte als Plattenkritikerin, lebte als Groupie im Dunstkreis weltbekannter Rockmusiker und kam schließlich 40-jährig als Aushilfslehrerin an die New Yorker Schoof of Visual Arts.

Ihr erster Weg führte sie in den legendären „8th Street Bookshop“, dort fand sie das Buch von Lucy Lippard, eine Bestandsaufnahme der gerade erst im Entstehen begriffene Konzeptkunst und die ihr verwandten Genres Performance, Body Art und Land Art.

„Ich hatte diese Art von Ideen eigentlich auch immer schon. Doch ich wusste nicht, dass man sie als Kunst betrachten konnte…“ 

Lorraine O’Grady
Untitled
(A Skeptic Inspects Mlle Bourgeoise Noire’s Cape), 1980-83/2009
© Lorraine O’Grady/Artists Rights Society (ARS), New York 2018

Es folgten regelmäßige Ausstellungsbesuche, ein vertieftes Nachdenken über die gesellschaftliche Funktion von Kunst und der zunehmende Frust darüber, dass afroamerikanische Positionen, zumal von Frauen, ein marginalisiertes Nischendasein fristeten. Sie erfand ein Alter Ego, eine Persona, der sie den Namen „Mlle Bourgeoise Noire“ (Miss Black Middle-Class) gab. Ihr Kostüm: ein aus 180 aneinander genähten, weißen Stoffhandschuhen bestehendes Abendkleid. Zwischen 1980 und 1983 tauchte Lorraine O’Grady in dieser Rolle regelmäßig auf Ausstellungseröffnungen auf, verteilte Blumen ans Publikum, um sich kurz darauf – in Anspielung auf weiße Plantagenbesitzer – mit einer weißen Peitsche selbst zu geißeln. Mit diesen und anderen Aktionen begründete sie ihren Ruf als intellektuelle Unruhestifterin und Pionierin der feministischen Avantgarde. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters ist Lorraine O’Grady gerade in den letzten Jahren im internationalen Ausstellungsbetrieb sehr präsent.

Erstmals ausserhalb der USA präsentiert die Städtische Galerie Wolfsburg Arbeiten von Lorraine O’Grady, Cutting Out CONYT ist eine Serie von Collagen mit Textausschnitten aus der New York Times, zusammenstellt zu Kurgedichten.

>>> zur Ausstellung Städtische Galerie Wolfsburg

Ausstellungsansichten, Foto Janina Snatzke

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